no. 6 – „die legendäre kriegshornisse“ | der zweitälteste baum thailands und größte tamarind der welt

Der Khun Chang Khun Phaen Legende nach hat sich Khun Phaen am Fuße dieses Tamarindenbaumes niedergelassen, um dort Schwarze Magie zu studieren. Der Großmeister Khong soll Khun Phaen in hier gelehrt haben, aus den Blättern des Tamarindenbaumes Wespen und Hornissen zu erschaffen und diese wirkungsvoll als Kriegswaffen einzusetzen. Diese Waffen sollten dann helfen, die anrückenden Feinde, die Armee seines Bruders Khun Chang, final zu besiegen. Im Kern dieses hochemotionalen, fünfzigjährigen Bruderstreites geht es um die Liebe einer Frau, Wanthong, welche letztendlich durch den damaligen König zum Tode verurteilt wird, weil sie sich nicht zwischen den um sie kämpfenden Brüdern entscheiden kann.

Diese Legende, voller Heldenmut, Romantik, Liebe, Sex, Gewalt, Magie und auch Horror und Komik, endet in zwei Kriegen und ist eine der bekanntesten und wichtigsten Legenden in der thailändischen Kultur. Sie ist dort in zahlreicher Kunst und Kultur verarbeitet worden, prägte Lieder, Sprichwörter und Redewendungen und wird sogar in der Schule gelehrt.

Allein diese Sage ist von dem Thema der Stärke und Schwäche durchdrungen. Aber das unglaubliche Alter von über 1000 Jahren und dass es sich hier um den größten Tamarindenbaum der Welt handeln soll, machte diesen Baum, vor dem ich jetzt stand, als Motiv für mich perfekt. Grinsend und begeistert stand ich also in Suphan Buri, im Wat Knae Tempel und schaute auf den alten Stamm und die alten Äste, während mich ein alter Thai, der hinter seinem kleinen Stand saß und beschriebene Papierstreifen verkaufte, argwöhnisch beobachtete.

Dieser Baum und vor allem die Umgebung und Stimmung war völlig anders, als bei den anderen beiden Bäumen. Dieser hier stand mitten in einem Tempel. Nicht abseits, in einem Wald oder tief im Dschungel. Um ihn zu erreichen, braucht es auch kein Boot, keine Königskobra wartet, keine Affenhorde blockiert den Weg und keine Stufen mussten erklommen werden. Diesmal musste ich lediglich durch einen kleinen Torbogen gehen und stand nun direkt vor dem legendären Baum.  Der Baum wurde mittels eines Metallzaunes vor Berührungen geschützt und war von einem gepflasterten, steinernen Platz umrahmt. Dieser Baum lebte nicht in harmonischer Nachbarschaft anderer Bäume und Büsche. Er stand isoliert in einem gepflasterten Park, umgeben von mittlerweile fast schon wieder „glühenden“ Steinplatten.

Etwas verborgen, über einen verwinkelten Pfad erreichbar, eröffnete sich ein weiterer Platz, auf dem eine riesige Wespenstatue thronte. Die Beine der Wespe wurden mit bunten Bändern umwickelt und Sie war mehr als nur eine Dekorative Statue. Das Tempelgeländer an sich war bereits gut frequentiert, aber der Andrang vor der Wespe ist wirklich groß.  Viele Thais kamen hier her, entzündeten zuvor erworbene Räucherstäbchen an den, neben der Wespe aufgestellten Laternen und beten, knieend, vor der Wespe. Einige Thais krochen, irgendwie auf eine andächtige, respektvolle Art zwischen den Beinen der Wespe hindurch, fast, als würden sie ebenfalls Beten. Anschließend wurde dann allerdings vor der Wespe posiert und Fotos für Instagram geschossen. Die Thais scheinen grundsätzlich sehr locker und tolerant mit ihren heiligen Stätten umzugehen und irgendwie wirkte das hier alles auf mich ein wenig wie ein Freizeitpark, als ein Tempel.

Bei mir, vor dem Baum selbst, waren kaum betende Thais anzutreffen. Nur der alte Mann saß an seinem kleinen Tisch und verkaufte Gebetszettel. Vereinzelt kamen schon mal Interessierte in diesen Teil des Tempels und schoßen schnell ein paar Fotos, begaben sich dann allerdings zügig zu zwei großen, dunklen, hölzernen Gebäuden im hinteren Teil des Platzes. Irgendwie merkwürdig. Ich hatte es mir genau andersherum vorgestellt, verehren viele Thais doch immer noch die Geister in den Bäumen und der Natur an sich. Ich schaute einem Pärchen hinterher, welches ebenfalls in den Holzgebäuden verschwand und wende mich wieder dem Baum zu. Alles andere interessiert mich zurzeit nicht. Ich hatte eine Mission.

Art: Tamarindenbaum (Tamarindus indica)

Größe: 20 m, größter Tamarindenbaum der Welt

Umfang: 9,50 m

Alter: > 1023 (2023), zweitälterer Baum Thailand

Ort: Thailand, Suphan Buri Wat Knae Tempel

Legende: Khun Chang Khun Phaen poem

Es war mittlerweile wieder 35 Grad heiß geworden. Der Himmel war strahlend blau, was zwar schön für einen Urlaub ist, aber aufgrund des Schattenwurfes schlecht, wenn man Details und Strukturen eines Baumes Fotografieren möchte. Schweiß rann mir den Rücken runter und mein Handy glüht förmlich, während mir eine Pushnachricht plötzlich mitteilt, dass ich nur noch 10 Prozent Speicher zur Verfügung hatte. „Puh!“ Ich öffne die Galerie und begutachte meine Ausbeute. Knapp 120 Bilder waren es diesmal geworden, viele davon sehr ähnlich oder doppelt. „Besser haben, als brauchen“, dachte ich mir. So schnell komme ich hierhin ja auch nicht zurück.

kiattsak, der mönch

Ich hielt dem alten Mann an kleinen Tisch mein Handy mit der Übersetzungsapp entgegen. Nachdem ich meine Gedanken aufgezeichnet hatte, war ich diesmal fest entschlossen, einen Interviewpartner zum Thema der Bäume, der Beziehung der Thais zu den Bäumen und über die Stärke allgemein zu finden. Der alte Mann gab mir das Handy wieder und schüttelt traurig und dennoch lächelnd den Kopf. Er kannte also niemanden, der mir meine Fragen auf englisch beantworten könnte. Vielleicht ja bei der großen Wespe?  

Bei der Wespe waren zwar tatsächlich immer noch viele betende Thais, aber ich konnte niemanden entdecken, der augenscheinlich etwas mit dem Tempel zu tun hatte und entsprechend kundig wäre. Letzte Idee war ein Stand am Eingang des Tempelgeländes, an dem Räucherstäbchen und kleine Buddhafiguren verkauft wurden.

Hinter dem Tresen stand eine ältere Frau, welche gerade Pakete auspackte und einen Mönch, welcher allerlei Gegenstände an geduldig wartende Thais verkaufte. Als ich die Frau ansprach, schüttelt sie war zuerst den Kopf, hielt dann aber inne und rief etwas zu dem Mönch. Der Mönch, ein in orangem Stoff gehüllter Mann Ende dreißig, mit sehr kurz rasierten Haaren, drehte sich zu mir um und lächelte. Als ich ihm die Übersetzung meiner App zeige, wurde sein Lächeln sogar noch größer. „Jess, a little bit“ sagte er, nahm sein eigenes Handy an sich und klettert flink unter dem Tresen hindurch. Ich erläuterte ihm kurz, wer ich bin, was ich hier machte und dass ich gerne mehr Informationen zu dem Tamarindenbaum sowie seiner Legende hätte, woraufhin er sich nun spontan umdrehte und winkend in Richtung des alten Baumes lief. „Ok, also zurück zum Baum“.

„Old Tree“, sagte er, als wir wieder in dem Innenhof angekommen waren und deutet auf den alten Baum. Ich versuchte ihm verstehen zu geben, dass ich den Baum schon etwas kannte, aber nun nach Informationen zu dem Baum, seiner Geschichte und der besonders der Sage suchte. „Ah“, sagte der Mönch und lief erneut los, diesmal Richtung der hölzernen Gebäude. Dort angekommen brach, in einer Mischung aus Englisch und Thai, ein Redeschwall aus ihm heraus. Ich vertand so gut wie gar nichts, woraufhin wir kurzerhand zu den Übersetzungsapps wechselten. Allerdings konnte mein Handy nicht aus dem Thai heraus übersetzen und sein Handy nicht aus dem Englischen bzw. Deutschen. So kam es, dass Kiattsak, wie er sich mir mittlerweile vorgestellt hatte, nun motiviert von Raum zu Raum, leif, aufgeregt in sein Handy sprach, mir dieses dann entgegenhielt, woraufhin ich meine Fragen in mein Handy sprach und es dann ihm entgegenhielt. Von außen muss dies ein recht amüsanter Anblick gewesen sein, aber es funktioniert anfangs recht gut. Doch schon bald stieß auch diese Methode an ihre Grenzen und viele Übersetzungen machen teilweise gar keinen Sinn, wodurch das Zuhören sehr anstrengend wurde und eine Menge Informationen verloren gingen.

Kiattsak schaute mich stumm an. Hier schien es nichts mehr zu berichten zu geben und ich entschloss mich, nochmals, diesmal ganz spezifisch, nach dem Teil der Legende mit den Wespen zu fragen. Kiattsak machte plötzlich ein Gesicht, als ob er gerade eine bahnbrechende Erkenntnis erlangt hätte und setzt sich wieder mit kleinen, flinken Schritten in Bewegung. Diesmal ging es an dem Pier entlang und auf eine kleine Mauer am Ende zu. Eigentlich ging es hier nicht weiter und ich war sehr gespannt, was er mir hier nun zeigen wollte, als Kiattsak plötzlich auf die Mauer kletterte und flink auf dieser seinen Weg fortsetzte. „Ok, auch eine Möglichkeit“, sagte ich leise und etwas verdutzt zu mir und kletterte ebenfalls auf die kleine Mauer. Gemeinsam balancierten wir nun über die schmale Mauer, welche den einen Teil des Tempels, den Innenhof mit dem Baum und dem Museum, von dem anderen Teil, mit der Wespe, einem kleinen Café und den eigentlichen Tempelgebäuden, trennte. Schon nach wenigen Metern sprangen wir wieder, unter den interessierten Augen betender Thais, von der Mauer und standen nun einige Meter von der riesigen Wespe entfernt. Kiattsak ging geradewegs vor die Wespe und hielt direkt neben zwei betenden Thais, um sofort wieder mit seinen Ausführungen zu beginnen. Alleine hätte ich mir niemals erlaubt, solch ein, für mich irgendwie respektlos scheinendes Verhalten, in einem Tempel an den Tag zu legen. Doch mit dem Mönch Kiattsak als meinen Guide, fühlte es sich weder falsch oder respektlos an, über die Tempelanlagen zu klettern und Betende durch laute Gespräche zu stören. Weiter ging es in mehrere der offenen, großzügig verzierten Tempelgebäude mit goldenen Buddhafiguren und Kiattsak erzählte mir nun ausführlich, aber mühsam, die Legende des Tamarindenbaumes, von der Magie und der magischen Wespen- Hornissenarmee.

Kiattsak war wirklich sehr freundlich, aufgeschlossen, motiviert und schien sehr kundig. Sehr gerne hätte ich ihn im Rahmen eines Interviews zu seiner Sicht von Stärke befragt, doch da wir uns nur über die teilweise sehr mangelhafte Übersetzungsapps unterhalten konnten, entschied ich mich doch gegen ein Interview. Ich verabschiedete und bedankte mich überschwänglich. Eines war mir mittlerweile klar geworden: Für die nächsten Expeditionen, die in ein Land geht, in dem ich die Sprache nicht fließend spreche, brauche ich mindestens meine Fragen in der Landesprache und im besten Fall einen kundigen Dolmetscher an meiner Seite.

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